Trainingsplanung & Belastungssteuerung – Wissen & Glossar · KOENA SPORTS
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Trainingsplanung & Belastungssteuerung – KOENA SPORTS Academy

Trainingsplanung & Belastungssteuerung

Wissen › Trainingsplanung & Belastungssteuerung

Wie Training geplant, dosiert und über die Zeit weiterentwickelt wird – von Trainingsplanung, Periodisierung und den Zyklen über Belastungssteuerung, Volumen und Pausen bis zu Autoregulation, RIR und Tapering. Verständlich erklärt und ehrlich eingeordnet.

Hinweis: Planungs- und Pausenwerte sind Orientierung, keine starren Regeln – Ziel, Trainingsstand, Alter, Schlaf, Stress, Ernährung und Tagesform entscheiden mit, und Belastung entsteht nicht nur im Training. Bei anhaltendem Leistungsabfall, ungewöhnlicher Erschöpfung, Schmerzen oder Krankheit sollte die Belastung reduziert und bei Bedarf ärztlich abgeklärt werden.

Trainingsplanung

Trainingsplanung ist das systematische Festlegen von Zielen, Inhalten, Belastungen und Zeiträumen für einen individuellen Trainingsprozess.

Ein guter Trainingsplan beantwortet vor allem: Was ist das Ziel? Welche Übungen oder Trainingsformen passen dazu? Wie oft, wie intensiv und wie umfangreich wird trainiert? Woran wird Fortschritt erkannt? Und wie wird der Plan angepasst, wenn Alltag, Leistung oder Beschwerden sich verändern?

Planung reicht von einer einzelnen Einheit bis zu mehreren Monaten. Für Einsteiger ist ein einfacher, regelmäßig umsetzbarer Plan meist wirkungsvoller als ein komplexes Programm. Für Leistungsziele oder Wettkämpfe werden Phasen gezielter strukturiert und auf einen bestimmten Zeitpunkt ausgerichtet. Wichtig: Ein Plan ist kein starres Papier, sondern verbindet Zielsetzung, Durchführung, Beobachtung und Anpassung.

Praxisbeispiel Eine Person plant für zwölf Wochen zwei Krafteinheiten, eine lockere Ausdauereinheit und eine Mobility-Einheit pro Woche, um sich auf eine längere Wanderung vorzubereiten.

Periodisierung

Periodisierung ist die planmäßige Einteilung des Trainings in aufeinander abgestimmte Phasen mit unterschiedlichen Schwerpunkten.

Die Phasen verändern zum Beispiel Trainingsumfang, Intensität, Übungsauswahl, Wiederholungsbereiche, Pausenzeiten oder Methoden. Dadurch lassen sich Grundlagen aufbauen, bestimmte Fähigkeiten entwickeln, Leistung gezielt vorbereiten und Ermüdung besser steuern.

Besonders nützlich ist das bei langfristigen Zielen wie Wettkampfvorbereitung, HYROX, Rückkehr in den Sport oder systematischem Muskelaufbau. Kompliziert muss es nicht sein: Auch ein einfacher Wechsel zwischen Aufbau-, Belastungs- und Entlastungswochen ist bereits eine Form der Periodisierung.

Praxisbeispiel In einem ersten Block wird Kraftausdauer aufgebaut, im zweiten der Schwerpunkt auf Kraft und Technik gelegt, bevor vor einem Event spezifische HYROX-Einheiten ergänzt werden.

Trainingsvolumen

Trainingsvolumen beschreibt die Gesamtmenge der geleisteten Trainingsarbeit innerhalb einer Einheit, Woche oder Trainingsphase.

Im Krafttraining lässt es sich über die Anzahl von Sätzen, Wiederholungen oder die bewegte Gesamtlast beschreiben. Im Ausdauertraining zählen unter anderem Zeit, Strecke, Höhenmeter oder Belastungsdauer. Die gleiche Trainingszeit kann je nach Intensität, Übung und Pausen sehr unterschiedlich wirken.

Ein höheres Volumen ist nicht automatisch besser. Es muss zu Ziel, Trainingsstand, Erholung und übrigen Alltagsbelastungen passen. Volumen wird schrittweise verändert und immer gemeinsam mit Intensität, Trainingshäufigkeit und Pausen betrachtet.

Praxisbeispiel Vier Übungen mit je drei Sätzen à zehn Wiederholungen ergeben 120 Wiederholungen Trainingsvolumen – unabhängig von der verwendeten Last.

Belastungssteuerung

Belastungssteuerung bedeutet, Trainingsreize gezielt zu planen, zu beobachten und bei Bedarf anzupassen.

Gesteuert werden vor allem Intensität, Umfang, Dauer, Dichte beziehungsweise Pausen, Häufigkeit, Übungsauswahl und Komplexität. Zusätzlich zählt, wie die Person die Belastung tatsächlich verträgt: Schlaf, Stress, Muskelkater, Motivation, Schmerzen, Krankheit und Leistungsentwicklung liefern wichtige Hinweise. Belastung entsteht eben nicht nur im Training.

Ziel ist weder dauerhaft maximal noch dauerhaft zu leicht zu trainieren. Gute Steuerung setzt wirksame Reize, lässt genug Erholung zu und verändert den Plan, wenn die Rückmeldungen das nahelegen.

Belastungssteuerung ist damit ein fortlaufender Prozess, nicht eine einmalige Planerstellung – sie begleitet das Training über Wochen und Monate.

Praxisbeispiel Nach mehreren Nächten mit wenig Schlaf wird ein geplanter schwerer Trainingstag angepasst: weniger Sätze, geringere Last, längere Pausen oder eine lockere Mobility-Einheit.

Progressive Belastungssteigerung

Progressive Belastungssteigerung bedeutet, Trainingsreize über die Zeit schrittweise weiterzuentwickeln, damit der Körper weiterhin Anlass zur Anpassung erhält.

Die Steigerung erfolgt nicht nur über mehr Gewicht. Sie kann auch über zusätzliche Wiederholungen, mehr Sätze, längere Belastungszeit, einen größeren kontrollierten Bewegungsumfang, kürzere Pausen, höhere Frequenz, bessere Technik oder eine anspruchsvollere Übungsvariante erreicht werden.

Progression ist individuell und verläuft nicht jede Woche gleich. Phasen mit gleichbleibender Belastung oder bewusster Reduktion gehören zu einer nachhaltigen Planung dazu. Ein Fortschrittsschritt ist dann sinnvoll, wenn die bisherige Belastung kontrolliert und gut vertragen wird.

Praxisbeispiel Bei Step-ups wird zuerst von acht auf zehn saubere Wiederholungen je Bein gesteigert, bevor Stufenhöhe oder Zusatzlast erhöht werden.

Makrozyklus

Ein Makrozyklus ist ein langfristiger Trainingsabschnitt, der sich meist über mehrere Monate bis zu einem Jahr erstreckt.

Er ordnet größere Ziele und Phasen: Allgemeine Grundlagen, Kraftaufbau, sportartspezifische Vorbereitung, Wettkampfphasen und Erholungsphasen können nacheinander geplant werden. Die Dauer hängt vom Ziel ab und ist für ein Fitnessziel meist deutlich kürzer als im Leistungssport.

Ein Makrozyklus gibt die grobe Richtung vor, muss aber flexibel bleiben. Veränderungen im Alltag, Verletzungen, die Leistungsentwicklung oder neue Ziele können eine Anpassung nötig machen.

Praxisbeispiel Die sechs Monate vor einem HYROX-Event werden als Makrozyklus geplant: zunächst Grundlagenausdauer und Kraftbasis, dann spezifisches Training, zuletzt eine reduzierte Belastungsphase.

Mesozyklus

Ein Mesozyklus ist ein mittlerer Trainingsabschnitt innerhalb eines Makrozyklus, der meist mehrere Wochen umfasst und einen klaren Schwerpunkt hat.

Er bündelt Trainingseinheiten zu einem konkreten Entwicklungsziel – etwa Muskelaufbau, Kraftausdauer, Beweglichkeit, Grundlagenausdauer oder sportartspezifische Vorbereitung. Die Inhalte bleiben über einige Wochen vergleichbar, während Belastung und Übungsauswahl gezielt entwickelt werden.

Die Dauer ist nicht festgelegt; für viele Ziele sind etwa drei bis sechs Wochen ein praktikabler Rahmen. Danach wird der Plan überprüft und je nach Fortschritt, Ermüdung und Zielsetzung angepasst.

Praxisbeispiel Vier Wochen mit dem Schwerpunkt Unterkörperkraft, kontrollierter Kniebeugetechnik und schrittweise erhöhtem Trainingsvolumen bilden einen Mesozyklus.

Mikrozyklus

Ein Mikrozyklus ist ein kurzer Trainingsabschnitt – häufig eine Woche –, in dem Trainingseinheiten und Erholung konkret organisiert werden.

Der Mikrozyklus übersetzt die langfristige Planung in den Alltag: Er legt fest, wann Krafttraining, Ausdauer, Mobility, intensive Einheiten und Ruhetage stattfinden. Eine Woche ist ein häufiges Format, weil sich viele Alltagsrhythmen daran orientieren – je nach Situation kann er aber auch kürzer oder länger sein.

Ein sinnvoller Mikrozyklus berücksichtigt, dass intensive Belastungen nicht beliebig direkt hintereinander liegen sollten. Die Einheiten werden so verteilt, dass die wichtigsten Ziele trainiert werden und zugleich genug Erholung möglich bleibt.

Praxisbeispiel Montag Krafttraining, Dienstag lockeres Cardio, Mittwoch frei oder Mobility, Donnerstag Intervalltraining, Freitag frei, Samstag Krafttraining, Sonntag Spaziergang oder aktive Erholung.

Split-Training

Split-Training verteilt unterschiedliche Muskelgruppen, Bewegungsmuster oder Trainingsschwerpunkte auf verschiedene Trainingstage.

Beispiele sind die Aufteilung in Oberkörper und Unterkörper oder in Druck-, Zug- und Beineinheiten. Dadurch kann an einzelnen Tagen ein Bereich ausführlicher trainiert werden. Ein Split ist aber nicht automatisch besser als Ganzkörpertraining – die passende Struktur hängt von Trainingshäufigkeit, Ziel, Zeitbudget, Erholung und Vorliebe ab.

Für Einsteiger oder Personen mit wenigen Trainingstagen ist Ganzkörpertraining oft praktisch, weil alle wichtigen Bewegungsmuster regelmäßig vorkommen. Bei höherer Frequenz oder sehr spezifischen Zielen kann ein Split sinnvoll sein.

Praxisbeispiel An zwei Tagen pro Woche wird Ganzkörper trainiert; bei vier Tagen pro Woche kann ein Oberkörper-Unterkörper-Split genutzt werden.

Deload

Ein Deload ist eine bewusst geplante Phase mit reduzierter Trainingsbelastung, damit Ermüdung abgebaut und die weitere Entwicklung unterstützt wird.

In einem Deload können Gewicht, Satzanzahl, Wiederholungen, Trainingshäufigkeit oder Übungskomplexität vorübergehend gesenkt werden. Die Bewegung bleibt meist erhalten, die Gesamtbelastung wird aber deutlich reduziert. Ein Deload ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Werkzeug der langfristigen Steuerung.

Deloads lassen sich regelmäßig nach mehreren fordernden Wochen einplanen oder flexibel einsetzen, wenn Erschöpfung, Leistungsabfall, anhaltender Muskelkater oder ungewöhnlich schlechte Erholung auftreten. Bei Schmerzen, Krankheit oder Verletzungsverdacht ersetzt ein Deload keine ärztliche Abklärung.

Praxisbeispiel Nach fünf intensiven Trainingswochen werden in einer Deload-Woche die Gewichte um etwa 10 bis 20 Prozent reduziert und die Satzanzahl halbiert.

Beanspruchung

Beanspruchung beschreibt, wie stark eine Person durch eine Belastung körperlich und psychisch tatsächlich gefordert wird.

Sie hängt von Trainingsstand, Schlaf, Stress, Ernährung, Tagesform, Erfahrung, Gesundheit und äußeren Bedingungen ab. Während die geplante Belastung gleich bleiben kann, schwankt die Beanspruchung von Tag zu Tag. Das erklärt, warum sich dieselbe Einheit einmal leicht und ein anderes Mal ungewöhnlich schwer anfühlt.

Beobachten lässt sie sich über das subjektive Belastungsempfinden, die Leistungsfähigkeit, die Herzfrequenzreaktion, Stimmung, Schlafqualität, Muskelkater oder die Trainingsdokumentation. Damit ist sie ein wichtiger Baustein von Individualisierung und Autoregulation.

Praxisbeispiel Zwei Personen absolvieren denselben Zirkel: Für die ausgeruhte Person liegt die Anstrengung bei RPE 6 von 10, für die Person nach einer schlechten Nacht bei RPE 9 von 10.

Trainingsdichte

Trainingsdichte beschreibt das Verhältnis von Belastungszeit zu Erholungszeit innerhalb einer Trainingseinheit.

Sie wird vor allem über Satzpausen, Intervallpausen, Wechselzeiten und die Reihenfolge der Übungen beeinflusst. Bei gleicher Übung, gleichem Gewicht und gleichem Wiederholungsumfang kann eine kürzere Pause die Einheit deutlich fordernder machen. Eine höhere Dichte erhöht oft die metabolische Belastung und verlangt eine sorgfältige Steuerung der Bewegungsqualität.

Hohe Dichte ist nicht immer sinnvoll: Für schwere, technisch komplexe oder schnellkraftorientierte Übungen wählt man häufig längere Pausen, damit Leistung, Konzentration und Technik erhalten bleiben. Für Kraftausdauer, Zirkeltraining oder bestimmte Metcon-Formate kann eine höhere Dichte gezielt eingesetzt werden.

Praxisbeispiel Drei Sätze Rudern mit je zwei Minuten Satzpause haben eine geringere Trainingsdichte als dieselben drei Sätze mit nur 30 Sekunden Pause.

Belastungsdauer

Belastungsdauer beschreibt, wie lange ein einzelner Trainingsreiz oder eine Belastungsphase andauert.

Im Ausdauertraining kann das die Dauer eines Laufintervalls oder einer ganzen Einheit sein, im Krafttraining die Zeit eines Satzes, einer Halteposition oder einer kontrollierten Bewegungsphase. Zusammen mit Intensität und Pausen bestimmt die Dauer, welche Anforderungen ein Training setzt.

Eine lange Belastungsdauer bei niedriger Intensität entwickelt eher Grundlagenausdauer; eine kurze Dauer bei hoher Intensität spricht eher Schnellkraft, anaerobe Belastbarkeit oder Maximalkraft an. Entscheidend ist stets die Kombination der Parameter.

Praxisbeispiel Eine Plank über 30 Sekunden hat eine andere Belastungsdauer und Trainingswirkung als eine fünfsekündige maximale Anspannung.

Belastungshäufigkeit

Belastungshäufigkeit beschreibt, wie oft Trainingsreize innerhalb eines bestimmten Zeitraums gesetzt werden.

Sie kann sich auf Einheiten pro Woche, auf die Häufigkeit eines bestimmten Bewegungsmusters oder auf die Belastung einer Muskelgruppe beziehen. Eine höhere Häufigkeit ermöglicht oft mehr Übungspraxis und Volumen, braucht aber eine passende Verteilung von Intensität und Erholung.

Die optimale Häufigkeit ist individuell. Zwei bis drei gut planbare Einheiten pro Woche sind für viele Personen sehr effektiv. Bei höherer Frequenz werden Einheiten oft unterschiedlich schwer gestaltet oder auf verschiedene Bewegungsmuster aufgeteilt.

Praxisbeispiel Eine Person trainiert zweimal pro Woche Ganzkörper; eine andere viermal pro Woche im Oberkörper-Unterkörper-Split und verteilt die Belastung dadurch anders.

Time Under Tension (TUT)

Time Under Tension, kurz TUT, beschreibt die Zeit, in der ein Muskel innerhalb eines Satzes unter wirksamer Spannung arbeitet.

TUT wird durch Wiederholungszahl, Bewegungstempo, Bewegungsumfang und Pausen innerhalb der Wiederholung beeinflusst. Ein langsamer ausgeführter Satz erzeugt bei gleicher Wiederholungszahl deutlich mehr Zeit unter Spannung als ein schneller Satz. TUT ist damit ein Werkzeug zur Beschreibung der Belastung, nicht nur ein Tempo-Trick.

Mehr TUT ist nicht automatisch besser. Sie verändert die mechanische und metabolische Beanspruchung, kann das Techniklernen unterstützen und die lokale Ermüdung erhöhen. Die passende TUT hängt vom Ziel ab: Für schwere Maximalkraftversuche gelten andere Anforderungen als für Muskelaufbau oder Kraftausdauer.

Praxisbeispiel Zehn Kniebeugen mit drei Sekunden absenken, einer Sekunde unten halten und einer Sekunde aufstehen ergeben eine deutlich längere TUT als zehn zügige Wiederholungen.

Muskelversagen

Muskelversagen beschreibt den Punkt, an dem keine weitere Wiederholung mehr mit der vorgegebenen Technik und dem vorgesehenen Bewegungsumfang möglich ist.

Man unterscheidet technisches und absolutes Muskelversagen. Beim technischen Versagen wird der Satz beendet, weil die Ausführung deutlich nachlässt; absolutes Versagen bedeutet, dass die Last auch mit veränderter Technik nicht mehr bewegt werden kann. Für die meisten Trainingsziele ist das technische Versagen der sinnvollere und sicherere Bezugspunkt.

Training bis zum Muskelversagen kann ein intensiver Reiz sein, erzeugt aber auch mehr Ermüdung. Es ist nicht in jedem Satz, bei jeder Übung oder für jede Person nötig. Besonders bei schweren Grundübungen, komplexen Bewegungen oder wenig Erfahrung ist ein Sicherheitsabstand sinnvoll.

Praxisbeispiel Bei einer Liegestützserie wird der Satz beendet, sobald die Hüfte absinkt und eine weitere Wiederholung nicht mehr sauber möglich wäre – auch wenn eine unsaubere noch ginge.

RIR / Reps in Reserve

RIR steht für „Reps in Reserve“ und beschreibt, wie viele technisch saubere Wiederholungen am Ende eines Satzes voraussichtlich noch möglich gewesen wären.

RIR ist ein einfaches Werkzeug, um die relative Intensität ohne Maximaltest einzuschätzen. Ein Satz mit RIR 3 heißt: Es wären ungefähr noch drei saubere Wiederholungen möglich gewesen; RIR 0 entspricht etwa dem technischen Muskelversagen.

Die Einschätzung wird mit Erfahrung genauer und kann je nach Tagesform schwanken. RIR ist besonders nützlich, weil sie die Belastung individuell steuerbar macht: Statt nur ein festes Gewicht vorzugeben, kann ein Plan verlangen, eine Übung mit RIR 2 bis 3 auszuführen.

Praxisbeispiel Die Vorgabe lautet „3 × 8 Wiederholungen mit RIR 2“. Nach der achten Wiederholung sollte es sich anfühlen, als wären noch etwa zwei saubere Wiederholungen möglich.

Autoregulation

Autoregulation bedeutet, die tägliche Trainingsbelastung anhand aktueller Rückmeldungen anzupassen.

Statt einen Plan starr umzusetzen, werden Leistungsfähigkeit, RPE, RIR, Schlaf, Stress, Muskelkater, Motivation, Herzfrequenzreaktion oder Beschwerden berücksichtigt. Das Ziel bleibt bestehen, aber Gewicht, Wiederholungen, Satzanzahl, Pausen oder Übungsvariante können an die Tagesform angepasst werden.

Autoregulation ist kein Freifahrtschein, jede anspruchsvolle Einheit auszulassen, sondern eine strukturierte Entscheidung: An guten Tagen wird der geplante Reiz vollständig umgesetzt, an schlechten sinnvoll reduziert. So bleibt Training langfristig konsistent und besser verträglich.

Praxisbeispiel Vorgesehen sind drei Sätze Kniebeugen mit 60 kg. Wegen hoher subjektiver Anstrengung nach wenig Schlaf reduziert die Person auf 55 kg und hält RIR 2 bis 3 ein.

Overreaching

Overreaching bezeichnet eine vorübergehende Leistungs- und Erholungsbeeinträchtigung nach einer sehr hohen Trainingsbelastung.

Kurzfristiges, geplantes Overreaching kann im Leistungssport Teil einer Periodisierung sein und wird anschließend von ausreichend Erholung begleitet. Ungeplantes oder dauerhaftes Overreaching kann dagegen zu anhaltender Müdigkeit, Leistungsabfall, schlechter Schlafqualität, erhöhter Reizbarkeit, sinkender Motivation oder häufigeren Beschwerden beitragen.

Overreaching ist nicht dasselbe wie ein Übertrainingssyndrom. Warnzeichen sollten dennoch ernst genommen werden: Dann sind eine Anpassung von Volumen, Intensität und Frequenz sowie ausreichend Regeneration wichtiger als zusätzliche Belastung.

Praxisbeispiel Nach mehreren Wochen mit vielen intensiven Intervallen, schweren Krafttagen und wenig Schlaf sinkt die Leistung deutlich, und übliche Belastungen fühlen sich ungewöhnlich schwer an.

Tapering

Tapering ist eine gezielte Reduktion der Trainingsbelastung vor einem wichtigen Wettkampf oder Leistungstest, um Ermüdung abzubauen und Leistungsfähigkeit verfügbar zu machen.

Anders als bei einer vollständigen Pause bleibt Bewegung meist erhalten. Häufig wird vor allem der Umfang reduziert, während einzelne kurze, zielgerichtete Intensitätsreize beibehalten werden. Die genaue Gestaltung hängt von Sportart, Ziel, Trainingsstand und Dauer der Vorbereitung ab.

Relevant ist Tapering vor allem für Wettkampf- oder Testvorbereitung, etwa HYROX, einen Lauf oder eine Leistungsprüfung. Im allgemeinen Gesundheitstraining ist es seltener nötig als eine passende, regelmäßige Belastungssteuerung.

Praxisbeispiel In der Woche vor einem HYROX-Event werden lange, ermüdende Einheiten reduziert; kurze Lauf- und Bewegungsreize bleiben erhalten, damit man sich frisch und vorbereitet fühlt.

Passive Pause

In einer passiven Pause wird die Belastung weitgehend unterbrochen – die Person sitzt, steht oder geht sehr locker.

Passive Pausen eignen sich besonders bei schweren Kraftsätzen, explosiven Übungen oder technisch komplexen Bewegungen, bei denen hohe Leistung und Konzentration im nächsten Satz wichtig sind. Physiologisch werden dabei die sofort verfügbaren Energieträger (ATP und Kreatinphosphat) schrittweise wieder aufgefüllt und das Nervensystem kann sich erholen – das ist der Grund, warum schwere oder explosive Sätze oft längere Pausen brauchen.

Die passende Länge richtet sich nach dem Ziel, nicht nach Gewohnheit: schwere Maximalkraft- oder Schnellkraftsätze oft 3–5 Minuten, Muskelaufbau etwa 1–3 Minuten, Kraftausdauer eher 30–90 Sekunden. Das sind Orientierungswerte – der nächste Satz sollte erst starten, wenn Atmung, Fokus und Bewegungsqualität wieder passen.

Praxisbeispiel Nach schweren Deadlifts wird zwei bis drei Minuten ruhig gegangen, Wasser getrunken und die nächste Serie vorbereitet.

Aktive Pause

In einer aktiven Pause wird eine sehr leichte, erholungsorientierte Bewegung ausgeführt.

Sinnvoll ist das vor allem im Ausdauer-, Intervall- oder Zirkeltraining – etwa lockeres Gehen, sehr leichtes Pedalieren oder ruhige Mobilisation. Leichte Bewegung unterstützt Durchblutung und Abtransport von Stoffwechselprodukten.

Entscheidend ist, dass die Intensität niedrig genug bleibt, damit die Pause tatsächlich der Erholung dient und keine zusätzliche Ermüdung erzeugt.

Praxisbeispiel Zwischen zwei schnelleren Laufintervallen wird zwei Minuten locker gegangen oder getrabt.

Strategische Pause

Eine strategische Pause wird bewusst innerhalb eines Satzes, einer Runde oder eines Workouts eingeplant, um Technik und Belastungsqualität zu sichern.

Besonders nützlich ist sie in AMRAP-, RFT-, Zirkel- oder Metcon-Formaten. Kurze, frühzeitig geplante Pausen sind oft besser als eine lange Zwangspause nach komplettem Technikverlust.

So bleibt die Bewegungsqualität über das ganze Workout erhalten und die Belastung besser steuerbar – gerade unter Ermüdung.

Praxisbeispiel Statt 20 Kettlebell Swings ohne Unterbrechung werden vier kontrollierte Blöcke à fünf Wiederholungen mit kurzen Atempausen gewählt.